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Das teuerste Pferd der Welt: Rekordpreis und seine Geschichte

Zwei Pferde, ein Titel – und ein Rekord, der oft falsch datiert wird. Warum Totilas und Fusaichi Pegasus beide „das teuerste Pferd der Welt" sein dürfen und was dahintersteckt.

Das teuerste Pferd der Welt: Rekordpreis und seine Geschichte

Vor ein paar Jahren saß ich abends vor dem Laptop und starrte auf eine Auktionsanzeige für ein Pferd. Der Preis war sechsstellig, die Beschreibung las sich wie ein Gebrauchtwageninserat. Und ich dachte: Wenn das schon ein Pferd aus dem Mittelfeld kostet, was kostet dann das teuerste Pferd der Welt?

Die Antwort ist verblüffend unübersichtlich. Wer heute nachschlägt, bekommt zwei Namen um die Ohren geworfen: Totilas, der Dressurhengst mit den braunen Ohren und dem goldenen Rücken, und Fusaichi Pegasus, ein Rennpferd, dessen Preis in Dollar angegeben wird. Beide sollen „das teuerste Pferd der Welt" sein. Beide stimmen. Je nachdem, wen Sie fragen.

Ich habe die Zahlen auseinandergenommen, gegenübergestellt und dabei gemerkt, wie viel Halbwissen in Umlauf ist. Eines vorweg: Die berühmteste Zahl ist die am häufigsten falsch datierte.

Wichtige Erkenntnisse

  • Fusaichi Pegasus gilt als teuerster Rennpferd-Transfer der Geschichte, rund 70 Millionen US-Dollar.
  • Totilas war das teuerste Dressurpferd: etwa 10 Millionen Euro, 2010, Käufer Paul Schockemöhle.
  • Die Preise sind nicht vergleichbar: Auktion vs. Privatdeal, Hengstdeckgeschäft vs. Sportwert.
  • Wer „das teuerste Pferd" googelt, bekommt meistens einen Rekord, aber selten den Kontext.
  • In Deutschland bleibt Totilas der Referenzpunkt für teure Pferde.

Welches Pferd verdient den Titel teuerstes Pferd der Welt?

Die ehrliche Antwort: Es gibt keinen einzigen Titel, weil es zwei völlig verschiedene Märkte gibt. Ein Dressurpferd wird nach Rittigkeit, Gang, Ausstrahlung und Zuchtpotenzial bewertet. Ein Rennpferd nach Blutlinie, Siegen und – bei Hengsten – danach, wie viel Deckgeld er später einspielt.

Und dann kommt noch der Deal-Modus dazu. Bei einer öffentlichen Auktion sieht jeder den Zuschlag. Bei einem Privatverkauf nicht. Genau deshalb sind die Rekordzahlen so schwer zu fassen.

Fusaichi Pegasus: der 70-Millionen-Deal

Der Hengst wurde auf einer Auktion als Jährling für eine vergleichsweise bescheidene Summe versteigert, gewann später das Kentucky Derby und wurde danach zum begehrtesten Deckhengst seiner Generation. Als er an das irische Gestüt Coolmore verkauft wurde, lag der Preis nach übereinstimmenden Berichten bei rund 70 Millionen US-Dollar.

Was dabei gern schiefgeht: Viele Seiten schreiben „2020" daneben. Das ist falsch. Der Verkauf fiel in die frühen 2000er-Jahre, kurz nach seiner Rennkarriere. Ich habe drei verschiedene Quellen gecheckt, und keine konnte den Verkauf auf 2020 datieren – die Jahreszahl scheint sich über die Jahre eingeschlichen zu haben, wie das bei Zahlen im Netz passiert. Wenn Sie also eine Seite finden, die „Teuerstes Pferd der Welt 2020" schreibt und Fusaichi Pegasus nennt: Vorsicht.

Woher kommt der Preis? Ein Kentucky-Derby-Sieger mit guter Abstammung ist als Deckhengst ein Geldautomat. Ein einziger Deckakt kann fünfstellig kosten, und ein gefragter Hengst deckt hunderte Stuten pro Saison. Der Kaufpreis ist also weniger für das Pferd als für die zukünftigen Einnahmen.

Totilas: der teuerste Dressurtransfer

Totilas war der Superstar des Dressursports. Unter Edward Gal ritt er Weltrekorde, und die Bilder seiner Traversalen gingen um die Welt. 2010 wurde er nach Deutschland verkauft – zu Paul Schockemöhle, der die Zahlen nie offiziell bestätigte. Die Branche sprach konsistent von rund 10 Millionen Euro.

Für den Dressursport ist das eine andere Größenordnung als im Rennsport. Ein guter Dressurhengst bringt Zuchtgeld, aber nicht das Deckgeld eines Derby-Siegers. Zehn Millionen Euro für ein Sportpferd sind trotzdem ein Rekord, an dem sich bis heute alles messen lassen muss.

Und der Ausgang der Geschichte? Totilas starb 2020 an einer Kolik. Ein Gesundheitsproblem, das im Pferdehandel eine Rolle spielt wie sonst nirgends – dazu später mehr.

Die Rekordpreise im direkten Vergleich

Weil die Zahlen sonst Äpfel mit Birnen verglichen werden, hier eine Tabelle, die den Kontext mitliefert. Alle Angaben sind Größenordnungen aus der Branchenkommunikation, keine amtlichen Verkaufspreise.

Pferd Disziplin Preis (ca.) Jahr Kontext
Fusaichi Pegasus Galopprennen ~70 Mio. USD frühe 2000er Privatverkauf an Coolmore, Deckhengst
Totilas Dressur ~10 Mio. EUR 2010 Privatverkauf, Kaufpreis nie offiziell
Mehrere Spitzenhengste Galopprennen 20–40 Mio. USD verschiedene typische Größenordnung für Top-Deckhengste
Nationale Dressurspitze Dressur 1–3 Mio. EUR laufend solide Olympia-Kandidaten

Was die Tabelle zeigt: Der Abstand zwischen Dressur und Rennsport beträgt eine ganze Zehnerpotenz. Das liegt nicht daran, dass Dressurpferde weniger wertvoll wären – sondern daran, dass das Geschäftsmodell ein anderes ist. Ein Rennhengst verkauft Samen. Ein Dressurhengst verkauft Nachwuchs, und das langsamer.

Was ist das teuerste Pferd in Deutschland?

In Deutschland führt kaum ein Weg an Totilas vorbei. Er wurde zwar in den Niederlanden gezogen und ausgebildet, aber der Verkauf an Paul Schockemöhle machte ihn zum teuersten Pferd, das je in deutsche Hände wechselte. Schockemöhle ist eine der zentralen Figuren im deutschen Pferdehandel, und seine Gestüts in Mühlen sind für Rekordtransfers bekannt.

Was ist das teuerste Pferd in Deutschland?

Ansonsten gilt: Die richtig teuren Transfers laufen im Verborgenen. Wenn ich mit Leuten aus der Szene spreche, höre ich immer dieselbe Aussage – die spektakulärsten Preise werden nicht veröffentlicht, weil keiner der Beteiligten ein Interesse daran hat, sie öffentlich zu machen. Ein hoher Preis ist Prestige, aber er ist auch Verhandlungssache für die nächste Generation.

Kurz gesagt: Totilas bleibt der deutsche Referenzfall. Was danach kam, ist Spekulation.

Das teuerste Pferd der Welt und der Tod

Totilas starb 2020. Und mit ihm eine Frage, die viele Pferdebesitzer umtreibt: Was passiert mit dem Wert, wenn das Tier nicht mehr da ist?

Bei einem Rennhengst ist die Antwort brutal einfach: Der Wert steckt in der Deckkarriere, und die endet mit dem Tod. Bei einem Sportpferd ist es ähnlich, aber mit einem Unterschied – der Ruhm bleibt. Totilas' Nachkommen sind bis heute begehrt, weil der Name zieht. Eine Zuchtstute mit Totilas-Blut erzielt Preise, die ohne diesen Namen nicht zu rechtfertigen wären.

Was mich bei der Recherche überrascht hat: Die Todesursache – eine Kolik – ist im Pferdehandel ein bekannter Risikofaktor. Koliken kommen bei Hochleistungspferden häufiger vor, weil Fütterung, Training und Stress zusammenwirken. Wenn Sie jemals ein teures Pferd kaufen, lassen Sie die Verdauung prüfen. Klingt banal, ist aber einer der häufigsten Gründe für frühe Verluste.

Was kostet das teuerste Pferd der Welt in Euro?

Diese Frage ist tückischer, als sie aussieht. Der Fusaichi-Pegasus-Deal lief in US-Dollar, der Totilas-Deal in Euro. Und der Wechselkurs zwischen den beiden Rekorden ist über zwei Jahrzehnte hinweg geschwankt.

Was kostet das teuerste Pferd der Welt in Euro?

Rechnen Sie grob: 70 Millionen US-Dollar waren zur Zeit des Verkaufs in den frühen 2000er-Jahren je nach Kurs zwischen 60 und 80 Millionen Euro wert. Umgekehrt sind 10 Millionen Euro heute rund 11 Millionen Dollar. Die Rangfolge bleibt also eindeutig – Fusaichi Pegasus liegt weit vorn.

Was viele nicht bedenken: Der Dollar-Betrag ist nur die halbe Wahrheit. Rechnet man die Deckgelder dazu, die ein Hengst wie Fusaichi Pegasus über seine Karriere eingespielt hat, wird die Summe absurd. Ich habe versucht, das nachzuvollziehen, und nach der dritten Schätzung aufgehört – die Zahlen sind zu unterschiedlich, je nachdem, welche Quelle man nimmt.

Wie entstehen solche Preise überhaupt?

Ein Pferd ist kein Auto. Es gibt keinen Listenpreis, keine Preisempfehlung, keine Vergleichsportale. Was den Preis treibt, sind vier Dinge:

  • Abstammung – ein Name im Pedigree kann sechsstellig kosten, noch bevor das Pferd überhaupt laufen kann
  • Sportliche Leistung – ein Sieg auf dem richtigen Turnier verdoppelt den Wert über Nacht
  • Zuchtpotenzial – bei Hengsten der eigentliche Werttreiber, bei Stuten die Fruchtbarkeit
  • Timing und Verhandlungsgeschick – wer verkauft, wenn der Markt heiss ist, bekommt mehr

Und ein Faktor, der oft vergessen wird: Gesundheit und Charakter. Ich habe einmal ein Pferd gesehen, das sportlich alles mitbrachte, aber beim Probereiten nicht zu händeln war. Der Preis fiel um mehr als die Hälfte. Ein Profi kauft kein Pferd, das er nicht kontrollieren kann, egal wie schön die Gangarten sind.

Auktion oder Privatverkauf – warum das den Preis verändert

Bei einer Auktion gibt es einen öffentlichen Zuschlag. Jeder kann mitbieten, der Preis ist transparent, und die Zahl bleibt im Gedächtnis. Bei einem Privatverkauf wird verhandelt, und niemand muss die Wahrheit sagen. Das ist der Grund, warum Rekordlisten so durcheinander sind: Sie mischen Auktionszuschläge mit Gerüchten aus Privatgesprächen.

Fusaichi Pegasus war ein Privatverkauf. Totilas auch. Beide Zahlen sind gut belegt, aber eben nicht notariell beglaubigt. Wer absolute Sicherheit will, wird sie nie bekommen.

Gibt es 2026 ein neues teuerstes Pferd?

Zum jetzigen Stand hat kein neuer Transfer die 70-Millionen-Marke übertroffen. Das heißt nicht, dass es nicht passiert – nur, dass es nicht öffentlich wurde. Im Rennsport steigen die Preise für Spitzenhengste seit Jahren, weil das Deckgeschäft globaler geworden ist. Ein neuer Rekord ist eine Frage der Zeit, nicht der Möglichkeit.

Ich würde allerdings darauf wetten, dass er nicht in der Dressur fällt. Der Dressurmarkt ist kleiner, die Zuchtpotenziale sind geringer, und die Käuferkreise sind überschaubarer. Totilas' 10 Millionen Euro werden wohl noch eine Weile die Bestmarke in dieser Disziplin bleiben.

Was gehört sonst noch zu den teuersten Pferden?

Neben den beiden Rekordhaltern gibt es eine Handvoll Transfers, die immer wieder in Listen auftauchen. Die meisten davon sind Hengste, die nach ihrer Rennkarriere verkauft wurden. Ich nenne bewusst keine vollständige Rangliste, weil die Preise je nach Quelle um zweistellige Millionenbeträge schwanken – und weil ich keine Zahl erfinden will, die ich nicht belegen kann.

Was gehört sonst noch zu den teuersten Pferden?

Was Sie stattdessen tun können: Achten Sie auf den Kontext. Steht hinter einem Preis „geschätzt" oder „berichtet"? Wird der Verkauf mit einer Jahreszahl belegt, die zur Rennkarriere passt? Und ist die Währung angegeben? Diese drei Checks entlarven die meisten falschen Rekordmeldungen.

Was bleibt von der Suche nach dem teuersten Pferd der Welt?

Die Frage nach dem einen teuersten Pferd führt in die Irre, weil sie zwei Welten vermischt. Wer im Rennsport sucht, landet bei Fusaichi Pegasus. Wer in der Dressur sucht, bei Totilas. Beide Titel sind echt, keiner ist falsch.

Was mich an der ganzen Recherche am meisten beschäftigt hat: Die Preise erzählen weniger über Pferde als über die Menschen, die sie kaufen. Ein Hengst ist ein Investment, ein Sportpartner, ein Statussymbol, manchmal alles gleichzeitig. Und wenn ich sehe, wie viel Geld für ein Tier ausgegeben wird, das morgen eine Kolik bekommen kann, denke ich an den Abend vor dem Laptop zurück – und an die Frage, die ich mir damals nicht gestellt habe: Was ist ein Pferd eigentlich wert, wenn niemand zuschaut?

Vielleicht ist das die ehrlichste Antwort: Der höchste Preis ist der, den jemand bereit ist zu zahlen, ohne dass es jemand erfährt.

Miriam Lehmann

Miriam Lehmann

Miriam Lehmann betreut bei pistolera.net die Rubriken Kultur & Medien, Lokale Nachrichten und Wirtschaft & Finanzen. Sie geht von konkreten Fällen aus: einer Veranstaltung, einer Entscheidung im Stadtteil, einer Zahl aus einem Geschäftsbericht. Meist richtet sich der Aufbau nach der Frage, was der Fall für die Leser bedeutet; die Chronologie des Ereignisses tritt dahinter zurück. Wer am Ort mitreden will, findet bei ihr die Details, die dafür nötig sind. Themenwahl, Abgleich der Angaben und Nachträge erfolgen nach den redaktionellen Grundsätzen des Portals.

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