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Eichhörnchen als Haustier: Darum solltest du es dir gut überlegen

Eichhörnchen als Haustier? Klingt süß, ist aber in Deutschland meist verboten – und selbst wo es legal wäre, bereuen Halter die Entscheidung oft schon nach zwei Wochen. Warum das so ist und was das Gesetz wirklich sagt.

Eichhörnchen als Haustier: Darum solltest du es dir gut überlegen

Ein Kollege hat mir neulich ein Video geschickt: ein Eichhörnchen, das auf einer Couch sitzt, aus einer Hand Nüsse knabbert und sich dabei den Bauch kraulen lässt. Dazu die Nachricht: „Sowas will ich auch." Ich habe geantwortet: „Willst du nicht." Nicht, weil ich ein Spielverderber bin. Sondern weil ich weiß, was danach passiert.

Die Frage Eichhörnchen als Haustier wird mir erstaunlich oft gestellt, und fast immer kommt sie nach genau so einem Video. Die kurze Antwort: In den allermeisten Fällen ist es in Deutschland schlicht nicht erlaubt, und in den wenigen Fällen, in denen es legal wäre, wollen die Leute es nach zwei Wochen nicht mehr. Die lange Antwort ist komplizierter, und um die geht es hier.

Wichtige Erkenntnisse

  • Das heimische Eichhörnchen steht unter Naturschutz und darf nicht einfach gehalten oder gekauft werden.
  • Für die Haltung braucht es einen Herkunftsnachweis und in der Regel eine behördliche Meldung.
  • Der Begriff „Haustier" passt nicht: Eichhörnchen bleiben Wildtiere, auch nach Jahren in Menschenhand.
  • Der sibirische Burunduk ist die einzige Art, die halbwegs regelmäßig im Handel auftaucht — aus polnischen Zuchten.
  • Die größte Hürde ist nicht die Genehmigung, sondern der Alltag: Kabel, Vorhänge, ein Tier, das nie zahm wird.

Eichhörnchen als Haustier: Was das Gesetz wirklich sagt

Die Vorstellung, man könne sich ein Eichhörnchen wie einen Hamster im Zoohandel mitnehmen, hält sich erstaunlich hartnäckig. Dabei ist die Rechtslage ziemlich klar — und sie ist der Grund, warum die Frage „Darf man Eichhörnchen als Haustier halten?" von Anwälten und Naturschützern gleichermaßen mit einem langen Seufzen beantwortet wird.

Das einheimische Eichhörnchen ist geschützt

Das europäische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) zählt in Deutschland zu den besonders geschützten Arten. Es zu fangen, aus der Natur zu entnehmen oder zu kaufen, ist ohne Ausnahmegenehmigung nicht zulässig. Wer ein junges Tier im Garten aufsammelt und mit nach Hause nimmt, macht sich streng genommen strafbar — auch wenn die Absicht edel war.

Und genau da fängt das Problem an. Ich kenne jemanden, der vor einigen Jahren ein verletztes Jungtier im Park gefunden hat. Sie hat es in eine Decke gewickelt und mit nach Hause genommen, weil sie nicht wusste, wen sie anrufen sollte. Nach einem Anruf bei der Unteren Naturschutzbehörde war die Antwort eindeutig: Tier abgeben, und zwar sofort, an eine zugelassene Auffangstation. Kein Vorwurf, aber auch keine Diskussion.

Ausnahmen gibt es — aber nicht für den Normalbürger

In seltenen Fällen erteilen Behörden eine Ausnahmegenehmigung, etwa für Zuchten, Forschungszwecke oder Tierheime. Wer tatsächlich legal ein geschütztes Tier halten will, muss zwei Dinge vorlegen:

  • einen Herkunftsnachweis, der die legale Herkunft des Tiers belegt, und
  • eine Meldung der Haltung bei der zuständigen Behörde.

Was in dieser Liste fehlt: eine Garantie, dass die Genehmigung erteilt wird. Die Behörde prüft jeden Einzelfall, und der Standardfall — „ich hätte gern ein niedliches Tier im Wohnzimmer" — fällt durch. Ganz ehrlich: Das ist gut so.

Welches Eichhörnchen käme überhaupt in Frage?

Hier wird es interessant, weil in dieser Frage zwei völlig unterschiedliche Tiere in einen Topf geworfen werden. Wer vom „Eichhörnchen als Haustier" spricht, meint meistens das rote, buschschwänzige Tier aus dem Stadtpark. Bekommen kann er in der Praxis aber nur ein anderes.

Welches Eichhörnchen käme überhaupt in Frage?

Das heimische Eichhörnchen

Rotbraun, Pinselohren, heimisch. Streng geschützt, praktisch nicht als Haustier zu bekommen. Punkt. Wer im Internet Anzeigen für „Eichhörnchen kaufen" findet, landet fast immer bei einem von zwei Dingen: einem Betrug oder einem Tier, dessen Herkunft niemand nachweisen kann — und das damit ein Fall für den Tierschutz ist, nicht fürs Kinderzimmer.

Der Burunduk: das „Eichhörnchen" aus dem Handel

Der sibirische Burunduk (Eutamias sibiricus) ist keine Eichhörnchenart im engeren Sinn, wird aber oft so vermarktet — und er ist der Grund, warum ich bei manchen Angeboten vorsichtig bin. Burunduks stammen häufig aus polnischen Zuchten und tauchen dort regelmäßig im Handel auf. Sie sind kleiner als heimische Eichhörnchen, gestreift wie ein Streifenhörnchen, und sie sind nicht dieselbe Art wie das Tier aus dem Park.

Der entscheidende Unterschied: Beim Burunduk handelt es sich nicht um eine geschützte heimische Art, sondern um ein Tier aus Zuchtbeständen. Das macht die Haltung rechtlich erheblich einfacher. Einfach heißt aber nicht leicht — dazu gleich mehr.

Merkmal Heimisches Eichhörnchen Burunduk
Rechtlicher Status besonders geschützt, kaum haltbar Zuchtbestände, Haltung eher möglich
Bezug praktisch nur über Auffangstationen über Züchter, teils im Handel
Herkunftsnachweis zwingend vom seriösen Züchter sinnvoll
Zähmbarkeit gering, Wildtier bleibt Wildtier etwas besser, aber ebenfalls begrenzt
Platzbedarf großes Außengehege großes Gehege, teils Außenbereich

Kann man Eichhörnchen streicheln? Die unbequeme Wahrheit über den Alltag

Die ehrliche Antwort auf „Kann man Eichhörnchen streicheln?" lautet: In der Regel nein. Nicht, weil die Tiere böse sind, sondern weil Streicheln für sie kein Konzept ist. Ein Eichhörnchen, das auf Ihrer Schulter sitzt und aus der Hand frisst, ist nicht zutraulich — es ist auf Futter konditioniert. Der Unterschied wird spätestens dann deutlich, wenn es kein Futter mehr gibt.

Kann man Eichhörnchen streicheln? Die unbequeme Wahrheit über den Alltag

Warum sie nicht zahm werden

Eichhörnchen — egal ob heimisch oder Burunduk — bleiben Wildtiere. Sie lassen sich an Menschen gewöhnen, aber sie werden nicht zu Haustieren im Sinne eines Hundes oder einer Katze. Das bedeutet konkret:

  • Sie beißen. Nicht immer, aber zuverlässig dann, wenn sie sich bedrängt fühlen — und das kann sehr plötzlich passieren.
  • Sie markieren, nagen, graben und klettern. Ihr Wohnzimmer ist für sie ein Kletterparadies, und Kabel sind Spielzeug.
  • Sie werden nachts aktiv. Wer glaubt, er bekomme ein Tier, das brav im Käfig sitzt, hat die Rechnung ohne die Biologie gemacht.

Ein Bekannter hat sich vor einigen Jahren einen Burunduk angeschafft — mit großem Gehege, mit Genehmigung, mit allem drum und dran. Nach acht Monaten hat er das Tier in eine Auffangstation gegeben. Nicht aus Bosheit. Sondern weil er gemerkt hat, dass er ein Wildtier in seiner Wohnung hatte, das nie ein „Haustier" werden wollte. Seine Bilanz: acht Monate und ein paar Hundert Euro, für die Erkenntnis, dass das Video auf Instagram eine Illusion verkauft.

Igel, Streifenhörnchen, Hamster: die realistischen Alternativen

Wer ein kleines, quirliges Tier sucht, hat Optionen — nur sind die meisten davon nicht das Eichhörnchen. Der Streifenhörnchen-Handel ist legal, die Haltung aber ebenfalls anspruchsvoll: Die Tiere brauchen große Gehege, sind nachtaktiv und werden von vielen Haltern unterschätzt. Und der Igel als Haustier? Der ist in Deutschland grundsätzlich geschützt und darf nur unter engen Voraussetzungen gehalten werden — ein Tier aus dem Garten gehört in den Garten zurück.

Igel, Streifenhörnchen, Hamster: die realistischen Alternativen

Was tatsächlich funktioniert und dem Wunsch nach einem aktiven Tier nahekommt:

  1. Ratten — intelligent, sozial, tatsächlich zähmbar.
  2. Degus — tagaktiv, wach, brauchen aber viel Platz und Artgenossen.
  3. Chinesische Streifenhörnchen im legalen Handel, mit großem Gehege und Geduld.
  4. Meerschweinchen — wenig spektakulär, aber ehrlich pflegeleicht.

Keine dieser Optionen sitzt dir auf der Schulter und knabbert Nüsse aus der Hand wie in dem Video. Aber sie werden dir nicht nach drei Monaten das Sofa zerlegen und dich beißen, wenn du sie hochheben willst.

Und wenn Sie wirklich ein Eichhörnchen finden?

Jedes Jahr landen verwaiste oder verletzte Jungtiere bei Menschen, die es gut meinen. Die richtige Reaktion ist nicht der Griff zum Nuckel, sondern:

  • Abstand halten und beobachten — oft ist die Mutter in der Nähe.
  • Bei offensichtlicher Verletzung die örtliche Naturschutzbehörde oder eine Wildtierauffangstation kontaktieren.
  • Das Tier nicht füttern und nicht mit nach Hause nehmen.

Diese Stationen kümmern sich — mit Genehmigung und Erfahrung — um genau die Fälle, die ein Privathaushalt nicht leisten kann. Wer dort anruft, hilft dem Tier mehr als jemand, der es in einen Käfig setzt.

Was am Ende bleibt

Die Versuchung ist verständlich. Eichhörnchen sind schön, lebhaft und — zugegeben — verdammt fotogen. Aber die Frage „Eichhörnchen als Haustier?" ist keine Frage nach dem passenden Käfig. Es ist die Frage, ob man ein Wildtier in eine Wohnung zwingen darf, damit es einem gefällt.

Wenn Sie in der Stadt ein Eichhörnchen beobachten wollen, brauchen Sie dafür keinen Käfig. Sie brauchen einen Balkon, ein paar Nüsse und etwas Geduld. Das Tier wird kommen, sich bedienen und wieder verschwinden — und genau das macht es lebendig. Vielleicht ist die richtige Antwort auf das Video nicht „Sowas will ich auch", sondern: Genau so, wie es da draußen lebt, ist es am schönsten.

Sebastian Berger

Sebastian Berger

Sebastian Berger schreibt für pistolera.net in den Rubriken Kultur & Medien, Technologie & Innovation und Kultur & Unterhaltung. Er nimmt sich ein Format, ein Gerät oder eine laufende Debatte vor und fragt, wie die Teile zusammenhängen. Laufen zwei Entwicklungen nebeneinander, stellt er beide dar und erklärt keine zur Antwort. Seine Texte richten sich an Leserinnen und Leser, die einen Überblick suchen und den Zusammenhang früher haben wollen als die nächste Meldung. Für Themenauswahl, Prüfung der Angaben und spätere Aktualisierungen gilt die redaktionelle Leitlinie des Portals.

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